Aufrichtige Empfindsamkeit ist der neue Hardcore

[amazon asin=”B00CO8CRDY” template=”simpleimage”] Soft Skills are the new Hard Skills ist der Titel meines Tracks bei der nächsten OOP in München. Gestern habe ich Tobias Mayers Artikel  Heartfelt Emotionalism is the New Hardcore erwähnt (jetzt hier als Auszug aus dem Buch). Er schreibt sehr klar, was ich mit dem Titel meines Tracks sagen wollte. Ich habe seinen Artikel ins Deutsche übertragen. Dank an Dymaxicon für die Genehmigung zur Veröffentlichung!

Der Call for Papers der OOP2014 (nächsten Februar in München) ist noch offen. Reicht noch bis Montag Beiträge ein! (Anmerkung: Schon erstaunlich, wie gut Tobias’ letzter Blogartikel zu diesem CfP-Termin passt…)

Aufrichtige Empfindsamkeit ist der neue Hardcore

Die Art, wie ich agil interpretiere, wird oft gefühlsduselig (“touchy-feely“) genannt. Das ist fast immer als Kränkung gemeint, und auch wenn ich das nicht auf die Goldwaage lege, macht mich die Angst und Ignoranz hinter einer solchen Aussage traurig. Ich finde, zu viele Menschen verwenden solche Begriffe, um Arten menschlichen Umgangs zu beschreiben, die sie nicht verstehen – und das besonders in der Software-Welt. So werden Formen der Interaktion verharmlost, die vielen Softwerkern sehr schwer fällt. Diese dann als “gefühlsduselig” oder “soft” abzutun, ist ein Weg sie zu vermeiden, einfach ein Ausweichmanöver.

In unserer Branche ist die Ansicht verbreitet, dass Leute herumkommandieren, Termine setzen, Mikro-Management, Leuten mit Abmahnung und Kündigung drohen und im Allgemeinen gemein zu sein eine Hardcore-Art des Managements sei, während die Alternative, zuzuhören, zu vertrauen, gesunden Dialog zu pflegen, Selbstorganisation zu fördern und Konflikte zu lösen, für weich gehalten wird. Was für ein Murks! Es ist doch bestimmt genau anders herum.
Management durch Kommando und Kontrolle ist Management, welches auf Angst basiert. Das erfordert Getöse und keinerlei Mut. Es ist nichts “hart” daran. In der Tat sind die Resultate so ineffektiv, dass man es getrost als schlaff, als impotent bezeichnen kann.

Mein Kollege, der Improv-Lehrer und -Künstler Matt Smith, sagt über seine Improvisationsübungen: “Nichts ist hier soft; dies ist harter Stoff. Das braucht wirklich Mut.” Erfolgreich mit Menschen zu arbeiten ist extrem herausfordernd und schwierig. Das ist nicht gefühlsduselig, das ist aufrichtige Empfindsamkeit. Das sind keine Soft-Skills, das ist Hardcore.

Die Scrum Mentalität erfordert, dass wir jede Annahme in Frage stellen, die wir jemals über unsere Arbeit hatten. Wenn du dich dabei ertappst, wie du das Wort “gefühlsduselig” verwendest, wenn die Dinge unbequem werden, oder den Aufbau menschlicher Beziehungen als “soft” bezeichnest, halte inne und reflektiere deine Motive. Versteckst du dich? Ist es dir peinlich? Hast du Angst? Sei ehrlich. Die Chancen sind gut, dass genau das der Fall ist. Überprüfe deine Formulierung, dann erkennst du, wie warme, freundliche – sogar liebevolle – persönliche Beziehungen jeder erfolgreichen Teamarbeit zu Grunde liegen, und damit jeder erfolgreichen Produktkreation. Der Aufbau solcher Beziehungen erfordert großen Mut.

Komm, trau dich, deine aufrichtige Empfindsamkeit zuzulassen – sei hardcore!

Tobias Mayer, 14. Juni 2009.

2 Comments

  1. Christine Neidhardt
    July 8, 2013

    Mir gefällt Dein Artikel sehr gut Olaf, danke! Wenn die angeblichen “Softthemen” leichter in Zahlen zu fassen und zu überwachen wären, dann wären sie schon länger in Hardfacts umgetauft worden. Viele Manager hätten angesichts dieser Zahlen dann sicher Tränen in den Augen.

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  2. Olaf Lewitz Soft Skills are the new Hard Skills at OOP 2015 » Olaf Lewitz
    June 25, 2014

    […] Aufrichtige Empfindsamkeit ist der neue Hardcore (“Heartfelt emotialism is the new hardcore”) I’ve quoted Tobias Mayer last year when I asked for your submissions. So much effort and time in our organisations goes into pretending we’re someone else, someone “professional”, trying not to show up with our full selves at work. We want to talk about what’s really hard: being vulnerable, trusting ourselves to be able to change, having conversations on eye-level, creating a trustworthy environment for people and products to grow. As long as we do not allow ourselves to fully show up at work, we severely limit human potential. We limit our organisations’ effectiveness and our ability to connect to and delight our customers. How do we become fully engaged? […]

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